Die Zeit nach der fossilen Heizung

Es gibt In Deutschland bereits zahlreiche Projekte die auf verschiedene Arten ein fossilfreies Klimatisieren von Ein- oder Mehrfamilienhäuser ermöglichen. Dies erscheint für den außenstehenden Betrachter sehr verwirrend. Dies muss nicht sein wenn es eine geeignete Übersicht gibt und der Einblick lohnt sich auch. Zunächst sollte klar gestellt, dass es immer darum geht ein Medium (Luft/Wasser) zu erhitzen oder abzukühlen und dieses Medium in die gewünschte Räumlichkeit zu führen damit es dort wiederum diese Temperatur zur Verfügung stellt. Mehr ist prinzipiell nicht wichtig.

In der Regel wird in der gegenwärtigen Zeit fast immer ein Wärmetauscher oder eine Kraftwärmemaschiene als zentrales Element gewählt. Warum? Die einfachste Antwort ist der Wirkungsgrad. Dieser ist relativ zur Außentemperatur und noch vielen weiteren Komponenten und Blickwinkeln abhängig aber idealisiert könnte folgendes sehr grob angenommen werden:

  • Wärmepumpe 300 bis 500 %
  • Gasbrennwertheizung 90 bis 99 %
  • herkömmliche Gasheizung 85 bis 93 %
  • Ölbrennwertheizung 85 bis 95 %
  • herkömmliche Ölheizung 85 bis 90 %
  • Biomasseheizung 85 bis 90 %
  • Brennstoffzellenheizung (BZH) 85 bis 95 %

Mit einer Wärmepumpe ist in der Regel über den Jahresmittel die Differenz an Energie die in das System eingebracht werden muss und die Energie die als thermische Änderung messbar wird am geringsten und damit das Heizen oder Kühlen am günstigsten. Darüber hinaus ist die Erzeugung von Schadstoffen beim Betrieb nur von der Art der Erzeugung der elektrischen Energie abhängig die benötigt wird. Dies zeigt sich dann auch im Trend der sich auch in Berlin prognostizieren lässt.

Trend Verteilung Heiz und Warmwasserversorgung Berlin Studie 2024

Während die Planung und Implementierung eines bereits genannten Systems bei Einfamilienhäuser längst keine Seltenheit mehr ist wird es in der Stadt doch schnell recht komplex. Das liegt zum einem an der vielseitigen Eigentümerstruktur und zum anderen an der aufwendigen Änderung der bestehenden Klimatechnik. Dennoch haben sich innovative Konzepte herausgearbeitet die diese Probleme zu lösen versuchen. Es gibt dabei den Standardvorgang der Erdwärmekopplung im Mehrfamilienhaus mit Erdsonden.

Dabei ergeben sich aber vielerlei Hürden. Zum einem ist eine individuelle Bohrung für Erdsonden nicht einfach da die entsprechende freie Fläche exklusiv zur Verfügung stehen müsste, welches in einem hoch verdichteten Ballungsgebiet eher unwahrscheinlich ist. Auch ist der Wartungsaufwand und die initialen Kosten der Umstellung hoch und kämen zu den sowieso teueren Immobilien additiv hinzu. Eine Abhilfe würde hier ein genossenschaftliches Model mit einer zentralen Erdwärmekopplung sein an die die jeweiligen Gebäude angeschlossen werden könnten. Dies ist das "Kalte-Nahwärme-Netz" um das es hier gehen soll.

Das kalte Nahwärmenetz

Das kalte Nahwärmenetz ist im Grunde eine Aufteilung des klassischen Wärmepumpe-Erdwärmekopplung-Systems. Das bedeutet der Wärme- oder Kältetausch mit dem Tiefengrund wird zentral organisiert und die Wohnungen oder Häuser fügen, angebunden, Ihre eigene Wärmepumpen als eignene Struktur hinzu. Damit muss die Kopplung zwar wesentlich größer und teuere ausfallen aber da es im Verhältnis viel mehr Abnehmer gibt verkleinern sich die Kosten für Inbetriebnahme und Instandhaltung für jeden einzelnen Haushalt auf ein Minimum.

Ist so eine kaltes Nahwärmenetz erst mal implementiert ist dabei noch nicht das Ende erreicht. So ein Netzwerk skaliert nämlich dynamisch mit den Abnehmern und Erzeugern. So ist es auch möglich die Abwärme vom Abwasser zu nutzen oder dem angesiedelten Gewerbe. So ergibt sich eine wachsende nachhaltige Nutzung des im Moment missachteten Potenzials des städtischen Betriebs. In diesem Sinne ist das kalte Nahwärmenetz die Grundvoraussetzung einer ökologischen und ökonomischen Klimatisierung unseres Wohnraums.